Ein Spaziergang – zwei Uhrtümchen: eine Runde durch Bornheim und das Ostend

In „Pandemie-Zeiten“ sind wir ja immer mal ein wenig auf der Suche nach Abwechslung. Heute starten wir zu einem Spaziergang durch Teile des Ostends und Bornheim. Durch Straßen, in denen sonst trubeliges Leben zu finden ist - mit kleinen Shops, vielen Cafés und Restaurants.

Altes Bornheimer Rathaus
Altes Bornheimer Rathaus - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Die meisten Einrichtungen sind geschlossen, aber einige bieten Getränke und Speisen zum Mitnehmen an. Am Mittwoch oder Samstag findet rund um das Uhrtürmchen in Bornheim der beliebte und gut besuchte Bornheimer Wochenmarkt statt, das sollte bei der Auswahl der Strecke und vor dem Hintergrund des Social Distancing beachtet werden. Ansonsten haben wir heute einiges entdeckt, das uns im ‚normalen‘ Alltag wahrscheinlich gar nicht aufgefallen wäre. 

Start unseres Rundgangs ist am Uhrtürmchen an der Kreuzung Friedberger Anlage/Sandweg.

Hier am Ende der Zeil steht das neun Meter hohe Uhrtürmchen. 1894 entstanden und vom damaligen Ostend-Verein gestiftet, bildete es Ende des 19. Jahrhunderts den Dreh- und Angelpunkt des damals hauptsächlich jüdisch geprägten Ostends. So diente das Türmchen nicht nur der zeitlichen Orientierung für das Abendgebet, sondern war für jüdische Familien auch ein wichtiger Treffpunkt.

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Uhrtürmchen - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Von hier gehen wir in den Sandweg in Richtung Bornheim. Nach den Novemberpogromen 1938 wurden die verbliebenen jüdischen Familien Frankfurts von den Behörden planmäßig in etwa 300 Judenhäusern im Stadtgebiet konzentriert, wo sie auf engstem Raum leben mussten. Zu diesen Judenhäusern gehörten auch die Gebäude Sandweg 7, ein ehemaliges jüdisches Kinderheim, und Sandweg 32. An die Opfer der Verfolgung erinnern heute – wie überall in Frankfurt - im Gehwegpflaster verlegte Stolpersteine.

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Fassade Sandweg - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Der Sandweg führt auf direktem Weg, vorbei an einige kunstvoll gestalteten Häuserfassaden, zum zweiten Uhrtürmchen – dem Bornheimer Uhrtürmchen auf der Berger Straße in Bornheim Mitte. Hier befinden wir uns direkt im Zentrum Bornheims. Unter ‚normalen‘ Umständen würden wir uns jetzt direkt ins Leben stürzen und einen Einkaufsbummel starten. Heute aber schlendern wir die Berger Straße weiter gen Alt-Bornheim und begnügen uns mit Window-Shopping.

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Uhrtürmchen Bornheim, Berger Straße - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Spätestens mit Überquerung des Fünffingerplatzes wird es auf einmal sehr dörflich und man erreicht das alte, ursprüngliche Bornheim mit kleinen Gassen und beschaulichen Fachwerkhäuschen. Und das inmitten einer Metropole wie Frankfurt!

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Alt-Bornheim - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Links von uns liegt die Johanniskirche, wir aber gehen weiter bergauf in Richtung Bornheimer Hang, vorbei am Panoramabad. Im Sommer haben wir hier noch bei schönstem Wetter einen wunderschönen Abend im Biergarten des historischen Bornheimer Ratskellers verbracht.

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Bornheimer Ratskeller - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Heute schlendern wir stattdessen über den Hang mit Weitblick in Richtung Lohrberg, Riederwald, Seckbach und Fechenheim.

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Bornheimer Hang - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Wenn wir nach rechts in die Wittelsbacher Allee abbiegen, haben wir die Wohnsiedlung Bornheimer Hang fast einmal umrundet. Sie wurde in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre im Rahmen des Wohnungsbauprojektes Neues Frankfurt durch den Architekten und Stadtplaner Ernst May geplant. Der Bau wurde durch die Verwendung industriell vorgefertigter Teile beschleunigt, so dass in vier Jahren 1234 Wohnungen fertiggestellt werden konnten. Die Gebäude mit Flachdächern besitzen funktional optimierte Grundrisse und einen hohen Freiraumbezug mit einer aufgelockerten Zeilenbauweise und Dachterrassen. Neben Wohnblocks wurden in der Siedlung auch einige Reihenhäuser errichtet. Insgesamt umfasst die Siedlung etwa 1540 Wohnungen (2- und 3-Zimmer-Wohnungen von 55 bis 65 m², ausgestattet mit Frankfurter Küche und Zentralradio). Bauherr war die Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen.

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Ernst-May-Siedlung Bornheimer Hang - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Von hier aus folgen wir ca. 30 Minuten der Wittelsbacher Allee, überqueren erst die Saalburgallee und dann die Habsburgerallee, lassen rechts von uns das Künstlerhaus Mousonturm liegen und passieren dann den Zoo mit seinem imposanten Gesellschaftshaus.

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Zoo-Gesellschaftshaus - © #visitfrankfurt, Sabine Gnau

Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Ausgangspunkt. Wir waren gut und gerne zwei Stunden unterwegs und haben viele neue Eindrücke gewonnen und Eckchen entdeckt, die wir nach dem Lockdown unbedingt wieder besuchen möchten!